#bsen – Ein Bloggertreffen in der Automanufaktur

Wir Blogger haben uns alle lang darauf gefreut – und ich gebe zu, der Nachbericht zur zweiten Ausgabe des großen Bloggertreffens #bsen am 1. September 2017 in Dresden kommt spät, doch hier ist er: Normalerweise arbeiten Blogger ja eher einsam vor sich hin tippend im stillen Kämmerlein. Umso nobler das Gefühl, wenn wir dann einmal im Jahr aus unserer Komfortzone herauskommen, um mit Gleichgesinnten ein Netzwerk zu spinnen, denn genau dafür steht #bsen ja: Blogger spinnen ein Netzwerk!

Veranstalter Peter Stawowy hat für die zweite Ausgabe seines Netzwerktreffens in Kooperation mit der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM) eine der coolsten und zukunftsweisendsten Locations im Herzen der Stadt aufgetan: Die Gläserne Manufaktur von VW hat ihre Türen einen Tag lang eigens für die Bloggertagung geschlossen und davor für die Teilnehmer eine Reihe von E-Golfs zur Probefahrt geparkt. Ein tolles Angebot, das an sich schon den Netzwerkgedanken veranschaulicht, mit dem das Treffen überschrieben ist. Denn im Internet ist nichts eindimensional, die digitale Zukunft fährt selten durch Einbahnstraßen.

Im Mittelpunkt steht dabei jedoch nach wie vor der Mensch, in diesem Fall eine illustre Mischung aus rund 160 Bloggern, Onlinern, Journalisten, Agenturleuten und jeder Menge Kreativen, deren Alltag sich irgendwo zwischen Social Networking und digitaler Content-Produktion abspielt. Schon beim Empfang in der Lobby wird daher klar: Ein Treffen wie dieses hat Dresden bislang gefehlt (die erste Ausgabe fand 2016 in Leipzig statt). Obgleich die Stadt in technischer Hinsicht nicht gerade arm an Innovation ist und auch die Kreativbranche viel zur Vernetzung beiträgt, haben Blogger jenseits der vier Stammtische kaum die Möglichkeit, untereinander wie nach außen sichtbar zu werden.

Als das beliebteste Format der #bsen-Tagung stellen sich daher schnell die Kurzvortragssessions in der VW Lounge heraus, bei der sich einzelne Blogs und Initiativen im Netz in drei-Minuten-Vorträgen vorstellen können. Hier geben sich Blogger und Akteure öffentlicher Institutionen mit Agenturen das Mikro in die Hand, um die vielfältige Welt des Internets in wenigen Worten greifbar zu machen. Das Format zieht sich durch die gesamte Veranstaltung wie ein roter Faden. Es bildet den Auftakt und sorgt bis zum Schluss für Abwechslung, auch zwischen den großen Session-Blöcken, in denen wir dem Phänomen Internet mit verschiedenen Schwerpunkten auf die Spur zu kommen versuchen.

Das Wandeln zwischen den 45-minütigen, parallel laufenden Sessions in Lounge, Gläsernem Studio und Orangerie ist ausdrücklich erlaubt. Besonders lobenswert: Die Kaffeepausen dazwischen lassen reichlich Zeit, um Netzwerke zu spinnen oder zu vertiefen und das Gehörte setzen zu lassen. Nie wird die Tagung zur Jagd nach Information, immer steht das Zwischenmenschliche, der Austausch, das Kennenlernen im Mittelpunkt. Und das geht „unter Bloggern“ locker. Die Mitarbeiter von VW machen ihre Arbeit hier genauso transparent wie Blogger und kleinere Unternehmen, die Diskussionen laufen in freundlichem Ton und kameradschaftlich ab. Man fragt, man interessiert, man hilft sich. Ein schönes Erlebnis für alle, die meinen, dass der Ton im Internet doch nur immer rauer wird.

Zu meinen Favoriten des Tages gehört auf jeden Fall die Diskussion „Trust the bloggers!“, bei der sich Anne-Katrin Hutschenreuter, Nathalie Sontopski und Martin Meißner ganz offen über Vertrauen und Vertrauensverlust durch Werbung bei Bloggern, auch aus dem Nähkästchen plaudern. Ganz großartig ist es zudem, in den Kurzvorträgen die Projekte der anderen kennenzulernen – und überhaupt einen ganzen Tag lang in Sachsens Bloggerszene einzutauchen. Gern wieder und danke, Peter! 😉

Tipp: Für alle, die nicht dabei sein konnten: Einige Sessions stehen als Video zum Nachschauen noch online.