Wie klingt das Radio der Zukunft?

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Gedanken zum Onlinejournalismus, „Besser Online“ Teil 2

Nicht nur Verlage überlegen seit Langem schon, wie die Zeitung der Zukunft aussehen könnte, auch das Radio wird im digitalen Zeitalter so manche Wandlung erfahren. Norwegen hat am 11. Januar 2017 als erstes Land in Europa die ersten UKW-Wellen ab- und auf Digitalradio umgeschaltet. Aber soll das alles sein? Sicher nicht. Teresa Sickert arbeitet als freie Journalistin unter anderem bei Deutschlandradio Kultur, schreibt für Spiegel Online und beschäftigt sich leidenschaftlich mit dem Radio der Zukunft. Bei der Tagung „Besser Online“ stellte sie am 24. September 2016 daher einige Radio-Apps vor, die auch hiesigen Sendern den Weg weisen könnten.

Ihre Bilanz für die deutsche Onlineradioszene nimmt sie in dem Panel gleich vorweg und behauptet: Personalisierte Radioinhalte gibt es in Deutschland bislang noch nicht, die BBC und auch die Amerikaner seien da schon deutlich weiter. Die Deutschen sind eben zögerlich, zudem sei vieles auch mit rechtlichen Fragen verbunden.

Dass das Thema nicht unbedeutend ist, wird an den Zahlen zur Radionutzung jedoch schnell deutlich: Die Deutschen hören im Durchschnitt rund 170 Minuten am Tag Radio – und da kommt es nicht darauf an, ob mehr Wort oder Musik gefragt ist, wichtig ist vielmehr, dass sich durch moderne Streamingmöglichkeiten die Hörgewohnheiten ändern!

Wenn ich das so höre, muss ich zugeben: Es stimmt. Ich höre leidenschaftlich gern Radio und habe schon familienbedingt sehr gute Radio-Ohren. Die sächsischen Sender spielen in meiner persönlichen Auswahl aber mittlerweile kaum noch, und wenn, dann vor allem dienstlich eine Rolle. Immer öfter schalte ich auch mal auf BBC oder norwegische Sender um, schon um meine Fremdsprachenkenntnisse frisch zu halten. Das Internet ist in dieser Hinsicht wirklich ein Segen!

Die Wahl zu haben, bedeutet aber nicht nur international zwischen verschiedenen Radiosendern „zappen“ zu können, es heißt auch, dass Radio-Apps eine Zukunft des Mediums sein könnten. Und mit denen kennt Teresa Sickert sich wirklich aus. In Deutschland ist die Auswahl ziemlich begrenzt, sagt sie. Zwar stellen einzelne Radiosender ihre Inhalte immer wieder als App online, man kann als Nutzer dann aber ähnlich wie bei UKW eben nur zwischen einzelnen Apps wechseln, nicht mischen.

Innovativer ist da schon npr, das National Public Radio in den USA. Es funktioniert auf Basis eines Algoritmus mit Zufallsprinzip: Die Inhalte des Streams werden zunächst zufällig gewürfelt und der Nutzer kann daraus markieren, was er gut findet. Dies wird ihm dann auch öfter ausgespuckt. Der Algoritmus passt sich also dem persönlichen Geschmack des Nutzers an. Der Nachteil am Programm: Es gibt noch keine Downloadfunktion. Wer unterwegs ist, muss auf sein persönliches Radioprogramm also verzichten.

Anders ist das bei den Streams der englischen BBC. Hier gibt es schon für die einzelnen Inhalte eine Downloadfunktion, allerdings muss man dazu zwischen den Inhalten der verschiedenen Stationen immer wieder hin- und herschalten. Der Vorteil von beiden Apps: Die Inhalte sind kostenfrei verfügbar. Doch dann nennt Teresa Sickert noch eine App, die alles kann: Sie kommt aus Australien und nennt sich omny. Mit dieser App können sich die Nutzer Inhalte von verschiedenen Stationen und Podcastanbietern aussuchen (auch von npr), Playlists anlegen und diese auch mit Spotify oder ITunes verbinden. Voraussetzung: Ich brauche zuvor natürlich eine Playlist von Spotify oder ITunes.

Zum Schluss gibt die Radiofrau noch einen kleinen Ausblick: Freilich weiß auch sie im Moment nicht, wie das Radio der Zukunft aussehen wird. Doch lohne es sich, zum Beispiel die BBC-Angebote im Auge zu behalten. Hier wird viel ausprobiert und gern mit neuen Ideen experimentiert. Und auch Facebook experimentiere schon mit Audioformaten. Die öffentlich-rechtlichen Sender sollen ebenfalls bereits im Gespräch mit Spotify sein. Die Radiozukunft für Deutschland rückt also näher. Für’s Erste müssen wir uns aber mit der Qual der Wahl eines weltweiten Digitalradioangebots begnügen.

Nicole Czerwinka, die Autorin des Textes, hat ihre Ausbildung als Journalistin bei lokalen Tageszeitungen in Dresden absolviert, bevor sie 2010 mit elbmargarita.de ihren eigenen Blog gründete und so erstmals Onlineformate für sich entdeckte.

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