Mittels Neustadtkolumne zum eigenen Blog und Buch

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Jan Frintert plaudert aus dem Bloggernähkästchen

Jan Frintert kann sich mit Fug und Recht als Dresdner Blogger der ersten Stunde bezeichnen. Zum 3. DJV-Bloggerstammtisch (#bloggerdd), am 11. Juni 2015 in Dresden, plauderte der unter dem Namen Anton Launer als „Vater“ des Dresdner Neustadtgeflüsters bekannte Journalist und Texter ein bisschen aus dem Nähkästchen. Was die 18 Anwesenden natürlich am meisten interessierte, war die Frage, wie Jan Frintert mit seinem Blog Geld verdient – und wie viel man überhaupt mit so einem hyperlokalen Blog verdienen kann.

Entstanden ist das Neustadtgeflüster schon 1999 aus einer Kolumne, die Frintert damals für die Sächsische Zeitung schrieb – und bald parallel im Internet veröffentlichte. Mit mäßigem Erfolg. Damals war „dieses Internet“ noch Neuland im Tal der Ahnungslosen. Mehr Reaktionen als zehn bis 15 Einträge im Gästebuch der Neustadt-Kolumnen-Seite waren damals nicht drin. Trotzdem gab Frintert nicht auf. Auch als die SZ seine Kolumne schon längst nicht mehr druckte, schrieb er weiter – dann nur noch im Netz, und aus Kolumnen wurden mit der Zeit auch Nachrichten über das Leben in der Dresdner Neustadt.

„Erst nach gefühlten zwölf Jahren kam jemand, der auch eine Anzeige auf der Seite schalten wollte“, erzählt Frintert – und provoziert damit ein erschrockenes Grummeln am DJV-Bloggertisch. Seitdem verdient er mit dem Neustadtgeflüster Geld. Am Anfang wenig, mittlerweile ist es immerhin monatlich ein vierstelliges Sümmchen, das er mit seinem Neustadtticker einspielt. Akquise betreibt er dafür laut eigener Aussage nicht. Die Anzeigenkunden seien meist von sich aus auf ihn zugekommen. Leben könnte er allein von diesen Werbeeinnahmen kaum. Doch dann spricht Frintert noch einen zweiten positiven Effekt an, den das Bloggen für ihn mit sich bringt: Er generiert auch als Texter Aufträge über den Blog, kann sich über seine Artikel im Netz als Freelancer thematisch profilieren. Die Werbegesellschaft Neustadt, die Weiße Gasse oder die S-Bahn – sie alle sind zunächst auf den Blogger Jan Frintert aufmerksam geworden, bevor sie ihn als Texter beauftragten.

Inzwischen generiert Frintert zwar etwa ein Drittel seiner Einnahmen über den Blog, verbringt auf der anderen Seite aber etwa zwei Drittel seiner Arbeitszeit mit Recherche, Texten und Organisieren für das Neustadtgeflüster. Und obwohl er etwa 80.000 Besucher im Monat auf der Seite zählt, sind die Zahlen für den Verkauf eher zweitrangig. „Das läuft in der Neustadt eher über Sympathie“, erzählt er. Das häufigste Anzeigenformat sind nach wie vor Banner, für etwas mehr Geld postet Fintert jedoch auch bezahlte Beiträge, die er für seine Leser deutlich als Anzeige kennzeichnet. Inzwischen hat er sich mit seinem Blog einen so guten Namen gemacht, dass ein Viertel seiner Anzeigenkunden für ein Jahr im Voraus buchen. Der Nachteil am Neustadtblog: Die Reichweite sei erst mal erschöpft.

Bei den Anzeigen hingegen, meint Frintert, „geht noch was“ – und wird des Experimentierens mit verschiedenen Vermarktungsstrategien nicht müde. Seit Mitte Juni ist er eines der Zugpferde des neuen Portals „Hey Dresden!“, das Beiträge von Dresdner Blogs bündelt und so für alle Gewinn einfahren will. Betreiber ist die Agentur Markenzoo, deren Mitarbeiter auch gern am DJV-Bloggerstammtisch teilnehmen. Aus Frinterts Neustadtgeschichten ist zudem auch ein Printprodukt entstanden: Sein Buch „Anton auf der Louise“ war mit 1000 Exemplaren der ersten Auflage schon nach drei Wochen ausverkauft, obwohl es doch „nur“ 30 Geschichten aus 15 Jahren Neustadtgeflüster zwischen zwei Buchdeckeln bündelt. Die zweite Auflage seit März 2015 im Dresdner Buchhandel erhältlich.

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